Siebenjähriger Krieg in Europa


Siebenjähriger Krieg in Europa
Siebenjähriger Krieg in Europa
 
Dem Siebenjährigen Krieg (1756-63), durch den der größte Teil Europas in den österreichisch-preußischen Konflikt einbezogen wurde, ging eine Umkehr der Allianzen voraus, die die früheren Kriege bestimmt hatten. In noch stärkerem Maße als in den beiden vorausgegangenen Jahrhunderten spielte auch der Krieg um die koloniale Herrschaft in Übersee eine Rolle.
 
Zum Schutz des durch Personalunion mit ihm verbundenen Hannover entschloss sich Großbritannien zu einem Defensivbündnis mit Preußen (Westminsterkonvention vom Januar 1756). Das rief Frankreich auf den Plan, das nun ein Bündnis mit Österreich einging, dem Hauptgegner der letzten Jahrzehnte in Europa. Das Ziel war die Rückgewinnung Schlesiens für Österreich, die österreichischen Niederlande sollten an Frankreich abgetreten werden.
 
Friedrich II. entschloss sich, nachdem Zarin Elisabeth (1741-62) der französisch-österreichischen Allianz beigetreten war, Angriffsplänen Österreichs zuvorzukommen, indem er 1756 in Sachsen einfiel. Preußen sah sich nun von allen Seiten bedrängt, der Ring der mächtigen Gegner reichte von Schweden über Russland, Österreich, der Mehrzahl der Reichsfürsten bis Frankreich, nachdem 1757 eine Reichstagsmehrheit die Reichsexekution gegen Preußen beschlossen hatte. Allein Großbritannien unter dem »Staatssekretär für den Süden«, William Pitt d. Ä. (1708-78), unterstützte Preußen, es unterhielt in Norddeutschland ein Heer überwiegend aus deutschen Truppen unter dem Oberbefehl des Prinzen Ferdinand von Braunschweig.
 
Durch den Sieg Preußens bei Roßbach (1757) gegen französische und Reichstruppen und bei Leuthen gegen Österreich im gleichen Jahr konnte Friedrich die drohende Niederlage abwenden. Doch zwei Jahre später erlebte Friedrichs Armee bei Kunersdorf eine so vernichtende Niederlage gegen Österreicher und Russen, dass der preußische König schon den Untergang seines Staates befürchtete. Eine für Preußen günstige Lage ergab sich nach dem Tod der Zarin Elisabeth (5. Januar 1762). Peter III. schloss bald Frieden mit Preußen und verzichtete auf Gebietsgewinne. Selbst ein kurzes preußisch-russisches Bündnis kam nun zustande.
 
Nachdem sich Großbritannien und Frankreich bereits 1762 in einem Vorfrieden in Fontainebleau geeinigt hatten, wurde am 15. Februar 1763 auf Schloss Hubertusburg bei Leipzig der Frieden zwischen Österreich, Preußen und Sachsen geschlossen. Gegen das Versprechen der späteren Wahl Josephs II. zum Kaiser sicherte sich Friedrich II. den Besitz von Schlesien, das er bereits 1740 erobert hatte. Der territoriale Status quo wurde anerkannt. Der Krieg flammte zwar noch einmal kurzfristig um die Erbfolge in Bayern auf (1778/79), doch der Versuch Kaiser Josephs II. (1741-90, Kaiser seit 1764), die österreichische Stellung im Reich zu stärken, wurde von Friedrich II. mit russischer Unterstützung vereitelt.

Universal-Lexikon. 2012.

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